Wie jedes Jahr, war auch in diesem Jahr die FrOSCon ein voller Erfolg. Trotz extremer Hitze haben es viele Besucher statt ins Schwimmbad doch auf die FrOSCon geschafft. Die Orga hat sich auch dieses Jahr wieder das dicke Lob redlich verdient. Auch ein dickes Danke an die vielen Heinzelmännchen, die im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass alles glatt gelaufen ist.

Das schlimmste, was Organisatoren passieren kann, ist, wenn das Event so perfekt ist, dass es nichts mehr zu kritisieren gibt. Irgendwas, was sich im Folgejahr noch besser machen lässt muss es immmer geben, sonst ist der Ansporn weg.

Mir sind einige Dinge aufgefallen, die durchaus einer Verbesserung bedürfen und die ich hier gerne Erläutern würde. Natürlich packe ich mir bei dem einen oder anderen Thema auch gern selbst an die Nase.

Ausstellungshalle

Die älteren unter uns erinnern sich sicherlich noch an Zeiten, wo hinter dem einen oder anderen OpenSource-Stand Leute in Unterhosen saßen. Nicht nur unerträglich für die wenigen, anwesenden Damen, sondern auch auf viele männliche Anwesenden abstoßend. Viele Projekte führten damals Regeln ein - Kleidervorschriften wurden geschrieben, man machte sich Gedanken, wie man die Stände ansprechender gestaltet und wie man sich an den Ständen ansprechender verhält. Viele Briefings für Helfer wurden verfasst.

Immer mehr ziehen sich die älteren zurück und schaffen Raum für die nächste Generation. Das Thema Kleidung scheinen alle im Griff zu haben. Aber einige, der anderen Punkte scheint nicht mehr im Briefing der Helfer erwähnt zu werden.

Mir sind hier gleich mehrere Projekte aufgefallen, bei denen sich alte Fehler wiederholen. Helfer, die sich hinterm Stand verbarrikadieren. Statt den Stand offen zu gestalten. Es erinnerte eher an "heute geschlossen" statt "heute Tag der offen Tür". Daneben sah man erneut Helfer am Stand, die sich in einen Laptop vertieften - frei nach dem Motto "Bitte nicht ansprechen. Ich bin gar nicht da.".

Vorträge

Kam es eigentlich nur mir so vor - oder war die FrOSCon 2011 sehr datenbanklastig? Es gab mehrere Datenbankvorträge im Haupttrack, es gab Samstag einen PostgreSQL Track, es gab das Open Database Camp und daneben gab es auch in dem einen oder anderen Projekt nochmals am Rande was zu Datenbanken.

14 Räume in denen zeitgleich Vorträge stattfinden. Die Auswahl, wo man hingeht war meist nicht leicht. Ich denke hier erreicht die FrOSCon langsam ein Limit. Die Übersicht zu behalten, war schwierig und ich denke weniger ist mehr. 10-12 hätten auch gereicht.

Die Idee des Open Database Camp find ich persönlich gut. Ein Raum für zwei Tage von jemandem unabhängigem organisiert für PostgreSQL, MariaDB vielleicht SQLite und was sonst noch an relationalem Open Source DB-Systemen eingereicht wird.

Mein Vorschlag wäre - Daneben ein Raum für NoSQL - wo sich die klassischen NoSQL Anbieter von Ldap bis hin zu MongoDB vortragen können. Hier kann dann mit den Räumen der Betriebssysteme verhandelt werden, wohin mit den Vorträgen der Dateisysteme.

Womit ich schon beim nächsten Punkt bin. Mir war es daneben auch zuviel Nicht-technisches. Zuviel Laber-blabla-Vorträge. Tief technische Vorträge gab es kaum. Dabei war genug Publikum für durchaus sehr tief technische Vorträge anwesend.
Daneben gab es keinen einzigen Einsteigervortrag. Da ich oben von Dateisystemen sprach als Beispiel hier sowas wie - Was ist eigentlich ein Dateisystem? Was ist eigentlich eine Shell? Was ist der Vorteil von Bash?

Publikum

In allen Vorträgen, in denen ich war - war das Publikum viel zu lieb. Ich hab kein einziges echtes Battle gesehen. Dabei sind einige Speaker durchaus auf solche Battle vorbereitet und die Talks entsprechend. Da gibt es eine offene Podiumsdiskussion mit Monty Widenius und Simon Riggs - und niemand traut sich anzugreifen. Simon steht, was Battle angeht, Kristian Köhntopp nichts nach. Der kann das durchaus verkraften und provoziert es gerne. Monty kann ebenfalls einiges aushalten.

Da gibt Herr Köhntopp einen hoch provokativen Vortrag - und keiner greift ihn wirklich an. Mir wurde nach dem Vortrag mitgeteilt, nachdem der Herr von CouchDB hier nur einen zaghaften Versuch gestartet hatte, hätte man ein Battle zwischen mir und Kristian erwartet. Warum sollte ich? Nur des Battles wegen? Das einzige NoSQL System für das ich ggf. genug Ahnung gehabt hätte, um mit Kristian ein Battle zu veranstalten ist FAT - und das braucht keiner mehr. Sollte das ein Battle werden, dass darum geht, dass er Kartoffeln mit Bananen vergleicht? Dazu hat niemand im Raum den Anstoß gegeben.

Auch in anderen Vorträgen, fand ich das Publikum viel zu lieb. Mir kam es vor, als ob sich keiner wirklich traut etwas zu sagen.

Speakers

Auch in diesem Jahr fühlte ich mich teilweise Speakern ausgesetzt, die vor Ihren Vorträgen nicht richtig recherchiert hatten.

Ja, bei der Froscon laufen eine Menge Experten herum. Aber - das sind zum einen keine Götter und zum anderen, sind zumindestens die, die ich kenne, auch froh über jeden anderen, der über das Thema einen Vortrag hält, solange Dinge richtig dargestellt werden. Auch brauch das Niveau gar nicht so tief sein. Es ist doch eigentlich schön, wenn sich auch mal neue Leute an Themen wagen.

Peinlich wird es erst dann, wenn die Experten in die Tischkante beißen, weil Harnebüchendes erzählt wird. Noch peinlicher ist es, wenn der Experte hier eingreifen muss, der ganze Saal den Experten kennt - nur der Speaker nicht weiß, wen er da vor sich hat und das auch noch versucht runterspielt.

Fazit

Ein trauriges Fazit musste ich von der FrOSCon mitnehmen: Das Thema Accessibility scheint für viele ein Fremdwort geworden zu sein.

Prost!!! Auf die nächste FrOSCon!!!